Den Kegelrobben auf der Spur
Forschung in der Wismarer Bucht 

[Auszug aus meinem Artikel] Lena Hohls hat mich eingeladen, mit ihr auf die Wismarer Bucht zu fahren und die Robben auf der Sandbank direkt zu beobachten. Einmal pro Woche fährt sie mit ihrem Kollegen Karsten Schweichhart hierfür auf dem Ausflugsschiff “MS Seebär” mit, um den Menschen an Board spannende Fakten über Kegelrobben zu erzählen, sie über Schutzmaßnahmen aufzuklären und für die Bedeutung dieser Tiere im Ökosystem zu sensibilisieren. Außerdem fotografiert Lena die Robben für ihr laufendes Forschungsprojekt „Kegelrobben im Blick“, das von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) gefördert wird. Bereits im Vorjahr konnte sie ihr Projekt “Schutz der Kegelrobben in der Wismarbucht” erfolgreich abschließen. 


Kegelrobben haben ein individuelles Fellmuster: während die Weibchen überwiegend silbergrau mit dunklen Flecken sind, ist das Fell der Männchen eher dunkel mit hellen Flecken. Dieses Muster ist wie unser menschlicher Fingerabdruck von Individuum zu Individuum unterschiedlich und bleibt ein Leben lang, auch nach dem Fellwechsel, erhalten. Anhand der Fotos und des Fellmusters können mit der Methode der Foto-Identifikation einzelne Tiere erkannt und vor allem wiedererkannt werden. Somit werden wichtige Daten erhoben, um Aussagen darüber treffen zu können, wie viele Tiere sich in dem Gebiet aufhalten und wie viele es vielleicht zu einem längeren oder wiederkehrenden Aufenthalt nutzen. Besonders die Sandbank “Lieps”, zu der die MS Seebär fährt, dient den Tieren als Ort, an dem sie sich z.B. während des Fellwechsels ausruhen und sonnen können.

Endlich zurück und wieder in Gefahr - Kegelrobben in der Ostsee

Herbst 2024: Innerhalb kürzester Zeit wurden vor allem an der Ostküste Rügens immer wieder tote Kegelrobben gefunden. Sie schienen äußerlich gesund und gut genährt zu sein, weshalb die Todesursache während einer Obduktion festgestellt werden musste. Bei einigen Tieren lag anschließend der Verdacht nahe, dass sie ertrunken waren. Grund dafür könnten Reusen im Gebiet der Totfunde sein. Bei dieser Art zu fischen wird in der Nähe des Grundes eine Art Trichternetz aufgestellt, in das die Fische hinein, aber nicht wieder herausfinden. Um ungewollten Beifang zu verhindern, gibt es die Möglichkeit, die Reuse mit einem Einschwimmschutz auszustatten, der dafür sorgt, dass z.B. Robben nicht durch den Eingang passen, um sich am reich gedeckten Tisch der bereits gefangenen Fische satt zu essen. Die Pflicht, einen solchen Einschwimmschutz zu nutzen, gab es bereits im Greifswalder Bodden aber nur bis zu einer bestimmten Grenze.

Doch Meere haben keine Grenzen.

Natürlich bewegen sich Lebewesen über unsere fiktiven, auf gezeichneten Karten festgehaltenen Grenzen hinaus und somit ist es wichtig, Schutzmaßnahmen größer und flächendeckender zu denken. Die Ausweitung der Nutzung dieses Einschwimmschutzes an Reusen war also das primäre Ziel einer Petition des BUND M-V. Mit Erfolg: Ab März 2025 müssen alle Reusen in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit geeigneten Einschwimmsperren ausgerüstet sein, sodass Robben nicht in die Fanggeräte geraten und dort sterben. 

Empfehlung für eine Begegnung

Sowohl Seehunde als auch Kegelrobben ruhen sich häufig an unseren Stränden aus. Wir Menschen sollten bei einer Sichtung mindestens 100m Abstand halten, um die Tiere nicht dabei zu stören, neue Energie zu tanken. Der Fluchtweg zum Wasser muss unbedingt frei bleiben. Außerdem sollten wir Hunde anleinen, die Robbe nicht füttern und wir können die Sichtung an das Deutsche Meeresmuseum melden.

Wo kommen die Robben her?

Nach Bejagung und Vertreibung sowie den Einflüssen von Umweltgiften galten Kegelrobben in der deutschen Ostsee lange als verschwunden. Die Kegelrobben, die sich jetzt wieder in der deutschen Ostsee ansiedeln, stammen vor allem aus Beständen in Skandinavien. Von dort wandern einzelne Tiere oder kleine Gruppen entlang der Ostseeküste nach Deutschland, wo sie sich immer häufiger niederlassen.

Wo kann man die Tiere beobachten?

Es gibt immer mehr Orte, an denen regelmäßig Kegelrobben gesichtet werden. Mit der MS Seebär kann man von Boltenhagen aus eine Bootstour zur Sandbank Lieps machen. Mit ausreichend Abstand können die Robben mit Ferngläsern beobachtet werden. Eine Garantie gibt es natürlich nie in der Natur. Wer einen längeren Ausflug machen möchte, kann mit der Reederei Apollo von Peenemünde oder Freest aus verschiedene Bootstouren zur Insel Ruden und /oder Insel Greifswalder Oie unternehmen, wo die Robben auf großen Steinen vor der Küste liegen.

Wie kann man ihnen helfen?

Ruhe- und Schutzgebiete einrichten: Kegelrobben brauchen ungestörte Strände oder Sandbänke für die Fortpflanzung und zum Ausruhen.

 

Störungen vermeiden: Abstand halten (auch mit Booten) und keine Drohnenflüge über Liegeplätzen.

 

Nachhaltige Fischerei fördern: Damit genug Nahrung bleibt und Robben sich nicht in Netzen verfangen.

 

Meeresverschmutzung verringern: Plastikmüll und Schadstoffe schaden den Tieren direkt und indirekt.

 

Forschung und Monitoring: Bestandserfassung hilft, Veränderungen früh zu erkennen und Schutzmaßnahmen anzupassen.

Wir schützen das, was wir kennen. Lasst uns also die Faszination für die Natur vor unserer Haustür wiederfinden.

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